Bei der Planung unseres Zweiten Advent-Wochenendes auf Gut Sarnow stand für uns zunächst einmal die Frage im Raum: Was wollen wir ausstellen, was soll verkauft werden, wie soll sich der Tag abspielen? Nach einigen Diskussionen war schnell klar: Ein Schwerpunkt soll auf alter Handwerkskunst liegen, traditionellen Techniken, die mittlerweile in Vergessenheit geraten sind.

Denn im Zeitalter von Aufback-Backwaren, Plastik-Spielzeug und Schuhdiscountern fasziniert uns die alte Handwerkskunst. Auch im Restaurant mögen wir keine Convenience-Produkte, sondern legen Wert auf frische Zutaten und eine eigene, manchmal zeitaufwändige Herstellung. Und im Hotel haben wir viele alte Möbel verwendet oder auch in Handarbeit von Tischlern herstellen lassen. Von daher war klar: wir wollen zeigen, wie viel Arbeit hinter einem schönen Produkt steht und zeigen, wie eine Tasse getöpfert wird, wie ein Seil entsteht, wie aus einem Stück Holz ein Löffel wird und wie aus Wolle ein Kleidungsstück gemacht wird.

Am Spinnrad zeigt Martina Wendland aus Biesenthal, wie mit viel Handarbeit und Geduld Wolle zu Garn wird. Seit Jahrtausenden spinnen Menschen Fäden aus Flachs, Wolle oder Baumwolle und stellen daraus Kleider, Teppiche und Decken her. Dafür benutzten sie zunächst die rotierende Handspindel und seit ca. sechshundert Jahren das Spinnrad. Nachdem die Nachfrage nach Textilien im 18. Jh. stark anstieg, begann die Mechanisierung der Handarbeit und das erste Maschinengarn wurde schnell, billig und in guter Qualität hergestellt. Seitdem weiß kaum einer mehr genau, wie ein Garn gefertigt wird – und dass, obwohl das Spinnen eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit ist

Mit der Herstellung von Seilen ist es ähnlich: Komplett in Vergessenheit geraten ist die Tätigkeit eines Seilers, seitdem Seile industriell hergestellt werden. Dieses Handwerk wird auf Gut Sarnow von Michael Grassow aus Groß Schönebeck erlebbar gemacht. Er zeigt, wie Seile durch das Verdrillen mittels historischer erätschaften hergestellt werden. Dabei werden mehrere aus Fasern gesponnene Fäden verdrillt und daraus ein dünnes Sei gedreht. Für alle Besucher ist ein Besuch auf der Reeperbahn inklusive.

Seine Frau, Sabine Grassow, zeigt am Nachbarstand, wie früher eine Kerze gezogen wurde. Dabei wird das Wachs geschmolzen und der Docht immer wieder in die Wachs-Flüssigkeit getaucht, bis sich eine dicke Schicht bildet und die Kerze zum Trocknen aufgehängt werden kann. Neben Wachs und Docht braucht man hierfür vor allem jede Menge Geduld und Ausdauer. Denn bis die Kerze fertig ist, dauert es eine ganze Weile…

Die beiden Brüder Jero und Pirmin Lehr aus Bernau, die Drechselarbeiten machen, zeigen ihr Handwerk an der Wippdrehbank, die sie mit dem Fuß antreiben. Das Ergebnis sind Teller, Schalen oder Küchenutensilien wie Kochlöffel und Besteck aus Holz – und alles, was in Auftrag gegeben wird: Handgeschnitzte Unikate, die nachhaltig und natürlich schön sind. Wer sich dafür interessiert, wie ein Kob entsteht, ist bei Anne Mavanga aus Rüdersdorf richtig. Sie begeistert sich für das Handwerk der Korbmacher und zeigt, wie aus Weidenruten und Rattan Körbe geflochten werden und erklärt anschaulich, welche Werkzeuge sie dafür benötigt und welche Techniken angewandt werden.

Anders als die alten, fast vergessenen Handwerkstechniken hat das Töpfern in jüngster Zeit ein Revival erlebt. Es ist bei Alt und Jung heute sehr beliebt und es liegt im Trend, mit den Händen aus Ton etwas zu schaffen. Der Künstler und Töpfermeister Klaus Deutsch aus Britz hat das Handwerk von der Pike auf gelernt und ist Handwerker und Künstler zugleich. Er führt bei uns an der Töpferscheibe vor, wie man aus Ton Gebrauchsgegenstände, aber auch künstlerische Objekte formen kann.

All diesen Handwerkskünstlern dürfen Sie bei ihrer Arbeit am Zweiten Advent auf Gut
Sarnow über die Schulter schauen. Erkunden Sie in aller Ruhe und in der behaglichen
Atmosphäre des Festsaals im Gutshaus die alten, fast vergessenen Handwerkstechniken. 
Weitere Infos zum Weihnachtsmarkt: https://gut-sarnow.com/weihnachtmarkt/